Trafiksystem Göteborg, Sky Lift Trafiksystem Göteborg, Sky Lift
Verkehr neu gedacht

Wie Trafiksystem Schwedens Straßen smart und sicher macht

, Text von Nils Wigger

Seit letztem Jahr sind gleich mehrere schwedische Unternehmen Teil der Builtech Group. Eines davon ist Trafiksystem. Das Göteborger Unternehmen ist auf öffentliche Verkehrsinfrastruktur spezialisiert und hält im Auftrag von Staat und Kommunen Ampeln, Straßenlaternen & Co. in Schuss oder setzt neue Projekte wie den Bau von Tesla-Superchargern in ganz Schweden um.

Wenn in Schweden der Winter Einzug hält, bleibt die Technik selten stehen. Straßen, Ampeln und Beschilderung reagieren dort längst intelligent auf Wetter, Verkehr und Sicherheit. Eine der treibenden Kräfte dahinter ist Trafiksystem, ein Unternehmen der Builtech Group. Vom einfachen Verkehrsschild bis zu KI-gestützten Warnsystemen entwickelt das Team rund um Geschäftsführer Lars Wiesner Lösungen, die Leben retten – und zeigen, wie digitaler Wandel auf der Straße aussehen kann. 

Vom Sanierungsfall zum Wachstumsmotor

Als Lars Wiesner vor sieben Jahren bei Trafiksystem einstieg, stand das Unternehmen kurz vor dem Aus. „Es war in jeder Hinsicht am Boden – keine Strategie, kein Teamgeist, keine Struktur“, erinnert sich der 62-Jährige. Der Jurist, der zuvor fast drei Jahrzehnte im internationalen Handel gearbeitet hatte – unter anderem für IKEA, Coop und H&M – übernahm den Neustart mit der Gelassenheit eines erfahrenen Sanierers. „Ich habe meiner Frau eigentlich versprochen, nie wieder CEO zu werden“, sagt er und lacht. „Aber ich wollte sehen, ob ich aus einem kaputten Betrieb wieder etwas machen kann.“ Heute ist Trafiksystem die profitabelste Firma innerhalb von Builtech Schweden – und wächst weiter.

Drei Säulen, ein System

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Göteborg beschäftigt rund 65 Mitarbeitende, verteilt über ganz Schweden – von Malmö bis an die norwegische Grenze, inzwischen sogar in Kopenhagen. Die Stärke von Trafiksystem liegt in seiner breiten Aufstellung: Drei Säulen tragen das Geschäftöffentliche Beleuchtung, Verkehrszeichen und intelligente Verkehrssysteme (ITS). Während die Konkurrenz meist nur einen dieser Bereiche abdeckt, verbindet Trafiksystem alle drei. „Damit können wir sehr flexibel reagieren, wenn ein Markt schwächer läuft“, erklärt Wiesner. Auftraggeber sind fast ausschließlich staatliche Institutionen und Kommunen, die Aufträge über öffentliche Ausschreibungen vergeben.

Trafiksystem CEO Lars Wiesner, Göteborg Trafiksystem CEO Lars Wiesner, Göteborg

„Wir waren das erste Unternehmen in Skandinavien mit elektrischen Sky Lifts“.“

Lars Wiesner

Trafiksystem, Göteborg

Intelligenz auf der Straße

Technologisch hat sich Trafiksystem schon einen Namen gemacht – etwa mit variablen Tempolimits, die sich dynamisch an Verkehrssituationen anpassen, oder mit dem „Wild Warning System“. Dabei handelt es sich um ein kamerabasiertes KI-System, das Tiere auf der Straße erkennt und die Geschwindigkeit automatisch heruntersetzt. „Wenn ein Wildschwein oder ein Elch die Straße kreuzt, reagiert das Schild direkt und zeigt eine deutlich niedrigere Geschwindigkeit an. Das rettet im Zweifel Leben“, so Wiesner. Es sind Innovationen wie diese, die zeigen, dass Digitalisierung im Straßenverkehr nicht nur Effizienz, sondern vor allem Sicherheit bedeutet. 

Um im ganzen Land für Sicherheit und laufend Anlagen zu sorgen, verfügt Trafiksystem sogar über mehr Fahrzeuge als Mitarbeitende – aktuell 72 zu 65 –, weil die Flotte das zentrale Werkzeug der Teams ist: vom Servicefahrzeug über Hebebühnen bis zu Baggern, einsatzbereit für autarke Einsätze auch abseits der Städte.  Auch beim Thema Nachhaltigkeit gehört Trafiksystem zu den Vorreitern. 28 Prozent der Fahrzeugflotte fahren bereits vollelektrisch – im kommenden Jahr sollen es 50 Prozent sein. „Wir waren das erste Unternehmen in Skandinavien mit elektrischen Sky Lifts“, sagt Wiesner stolz. Dass sich das auch wirtschaftlich lohnt, zeigen die Ausschreibungen: In Schweden werden Firmen mit umweltfreundlicher Flotte bei öffentlichen Vergaben bevorzugt. Kein Wunder, dass Trafiksystem auch die Installation vieler Tesla-Supercharger-Stationen im Land übernommen hat – damals, als kaum jemand an die Elektromobilität glaubte.

Schwedische Arbeitskultur

Doch der Erfolg des Unternehmens hat nicht nur technische Gründe. Wiesner führt mit einer Haltung, die in Schweden selbstverständlich, in Deutschland aber noch ungewöhnlich ist. „Wir arbeiten nicht top-down, sondern bottom-up“, sagt er. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, Verantwortung geteilt. Über ein digitales Feedbacksystem misst das Unternehmen einmal pro Monat die Stimmung im Team. „Mir ist wichtiger, wie sich die Menschen fühlen, als welche Kennzahlen sie erreichen“, sagt Wiesner. Er nennt das Prinzip, dass er von IKEA-Gründer Ingmar Kamprath gelernt hat “Koll utan Kontroll” – Bewusstsein statt Kontrolle. 

Diese Haltung prägt auch die Unternehmenskultur. Trafiksystem bildet junge Talente gemeinsam mit Schulen und Universitäten aus, setzt auf Eigenverantwortung und Vertrauen. „Wenn du deinen Mitarbeitern erlaubst, mitzugestalten, dann wächst nicht nur das Unternehmen, sondern auch jeder Einzelne“, sagt Wiesner. „Das ist für mich die eigentliche Führungskunst.“ Während in Deutschland noch viel über Hierarchien diskutiert wird, ist Schweden längst weiter. Wiesner glaubt, dass genau darin ein Teil des Erfolgsgeheimnisses schwedischer Unternehmen liegt – von IKEA über Volvo bis Trafiksystem. „Wir dürfen Fehler machen, daraus lernen und wieder aufstehen. Das ist unsere Stärke.“ 

Weiter wachsen

Aktuell blickt Wiesner optimistisch in die Zukunft. Trafiksystem hat gerade einen Achtjahresvertrag gewonnen, das Geschäft wächst um bis zu 25 Prozent. Treiber sind neue EU-Vorgaben, die den Umstieg auf LED-Beleuchtung bis 2027 verpflichtend machen – ein Milliardenmarkt. Doch für Wiesner bleibt der menschliche Aspekt entscheidend: „Wenn meine Leute montags gern zur Arbeit kommen und freitags zufrieden nach Hause gehen, dann haben wir gewonnen.“ 

Teile diesen Artikel auf: